AS‑i‑Feldbus

Lernfeld 9 – Steuerungssysteme und Kommunikationssysteme integrieren

Abb. 1: AS‑i‑Feldbus mit Sensoren und Aktoren
Quelle: Europa-Lehrmittel

Aktor-Sensor-Schnittstelle AS-i (Actuator-Sensor-Interface)

AS-i (Actuator Sensor Interface) ist ein Feldbus-System, das es ermöglicht, binäre Sensoren und Aktoren über einen gemeinsamen Bus zu verbinden (Abbildung 1). AS‑i‑Feldbusse bieten eine kosteneffiziente Lösung für die Steuerung von Maschinen und Anlagen, da sie eine einfache Installation und Konfiguration ermöglichen und in der Lage sind, unter schwierigen Umgebungsbedingungen zu arbeiten. Es handelt sich, wie der InterBus, der PROFIBIS, CAN und viele andere Bussysteme, um ein sogenanntes offenes Bussystem. Das bedeutet, dass man AS‑i‑Produkte von vielen Anbietern und nicht nur von einem bekommen kann. Weiterhin ist gewährleistet, dass das Bussystem einwandfrei funktioniert, auch wenn man Produkte verschiedener Anbieter an diesem Bus betreibt (Interoperabilität, interoperability). Wird ein Produkt durch ein baugleiches Produkt eines anderen Anbieters ersetzt, so funktioniert auch dieses (Austauschbarkeit, interchangeability).
Die einfach Installation und Konfiguration macht AS‑i‑Feldbusse zu einer attraktiven Lösung für die Automatisierungstechnik. Darüber hinaus sind AS‑i‑Feldbusse auch sehr robust und zuverlässig. Sie sind in der Lage, auch unter schwierigen Umgebungsbedingungen wie Feuchtigkeit, Vibrationen und Störeinflüssen zuverlässig zu arbeiten.

Funktionsweise

AS-i ist ein Feldbus zum Anschluss von Sensoren, wie z. B. Lichtschranken und von Aktoren, wie z. B. Pneumatikzylinder, die ein sehr geringes Datenvolumen übertragen, über eine ungeschirmte Zweidrahtleitung (Abbildung 2). Die Datenübertragung erfolgt über dieselbe Leitung wie die Stromversorgung der Teilnehmer (24 V). Die maximale Bitrate beträgt 167 kbit/s. Der maximale Leitungsabstand ist ca. 100 m und es können bis zu 31 oder 62 Teilnehmer angeschlossen werden. Mithilfe von Repeatern kann der maximale Abstand erweitert werden.
Die Bussteuerung erfolgt durch einen Master. Er steuert die Teilnehmer, d. h. er fragt die Sensoren der Reihe nach ab. Dazu überträgt er an die Aktoren der Reihe nach Signale und wiederholt dies zyklisch. Die Zykluszeit hängt von der Zahl der angeschlossenen Slaves ab und beträgt maximal 5ms (bei 31 Teilnehmern). Eine Nachrichtenübertragung besteht aus einem Masteraufruf mit 14 Bits, einer Masterpause mit 18 µs bis 60 µs Dauer und einer Teilnehmernachricht mit 7 Bits sowie einer Teilnehmerpause mit 6 µs Dauer (Abbildung 3). In den 14 Bits der Masternachricht gibt es 5  Bits für die Adressierung der 31 Teilnehmer (Slaves) und 5 Bits für Informationen an den Teilnehmer. Der Teilnehmer überträgt an den Master 4 Datenbits, z. B. den Schaltzustand des Sensors oder auch eine Fehlermeldung.
Jeder Busteilnehmer hat bis zu vier binäre Eingänge und bis zu vier binäre Ausgänge. Eines der Ausgangsbit kann als weiteres Adressbit verwendet werden (ab AS-i 2.11). Dann sind bis zu 62 Teilnehmer möglich. Die Zykluszeit verdoppelt sich auf 10 ms.
Über Kommandos kann der Master einen Teilnehmer in den Grundzustand bringen (Reset), seine Adresse löschen, eine neue Adresse eintragen sowie einen Status lesen oder löschen. Bei der Installation eines AS‑i‑Feldbusses muss ein Teilnehmer nach dem anderen adressiert werden. Es gibt Mastermodule, die diese Initialisierungsmaßnahme weitgehend automatisch vornehmen. Über den Master, der meist als PC-Karte oder als SPS-Modul realisiert ist, wird auch eine Nachrichtenübertragung zu nachgeordneten Systemen, z. B. zu einem Ethernet-LAN möglich (Gateway).
Die AS‑i‑Anschaltung besteht aus einem hochintegrierten Schaltkreis im Sensor bzw. Aktor. Zur Ankopplung sonstiger Teilnehmer gibt es Anwendermodule mit IC, in die die Busleitung nur eingelegt werden muss (Abbildung 4 und 5). Über Kontaktspitzen wird ohne Leitungsunterbrechung der Kontakt hergestellt (Durchdringungsdorne oder auch Vampir-Kontakte). Standardsensoren und Standardaktoren werden meistens über M8-, M12-Schraubverbindungen oder PG-Verschraubungen in Verbindung mit Käfigzugfederklemmen an die AS‑i‑Module angeschlossen. In manchen Fällen sind auch nur einfache Klemmen vorhanden. Dies findet man z. B. dann, wenn das Modul in einem Schaltschrank oder Verteilerkasten eingesetzt werden soll. Werden Sensoren oder Aktoren, z. B. Ventilinseln, mit integrierter AS‑i, sogenannte intelligente Sensoren/Aktoren, angeschlossen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, diese AS‑i‑Teilnehmer direkt an die Flachleitung anzuschließen.
Abb. 2: Ungeschirmte Zweidrahtleitung
Quelle: biehl-wiedemann.de
Abb. 3: AS-i Nachrichtenframe
Quelle: Europa-Lehrmittel
Abb. 4: AS‑i‑Anschluss
Quelle: Europa-Lehrmittel
Abb. 5: Elektromechanische Verbindung
Quelle: Europa-Lehrmittel
Abb. 6: Modulbauformen
Quelle: Europa-Lehrmittel

Inbetriebnahme einer AS‑i‑Anlage

Für die Inbetriebnahme einer AS-Interface-Anlage ist es unerheblich, ob mit einem AS‑i‑Master oder mit einem Gateway zu einem anderen Bussystem gearbeitet wird.
In der Praxis werden sehr häufig Module (Abbildung 6) eingesetzt. Die Inbetriebnahme von AS-i gestaltet sich dann wie folgt:
  • Zuerst werden die Modulunterteile am Einsatzort montiert.
  • Anschließend wird die AS‑i‑Flachleitung verlegt.
  • Werden intelligente Slaves eingesetzt, wird hier der Adapter, falls erforderlich, zwischen AS‑i‑Flachleitung und Slave montiert.
  • Anschließend müssen die AS‑i‑Slaves adressiert werden.
Fabrikneue AS‑i‑Slaves sind auf die Adresse 0 voradressiert. Ausnahmen bestehen bei Produkten mit mehr als einem integrierten AS‑i‑Slave (z. B. Ventilinseln).
Das bedeutet, dass zu Beginn der Inbetriebnahme viele AS‑i‑Slaves mit Adresse 0 vorhanden sind. Aufgrund der Tatsache, dass AS-i ein Master/Slave-System ist, ist es nicht möglich, sofort alle Slaves an die AS‑i‑Übertragungsleitung anzuschließend, da der Master dann nicht mehr zwischen den einzelnen Slaves mit gleicher Adresse unterscheiden kann. AS‑i‑Slaves können auf verschiedene Weisen adressiert werden:
  • Verwendung von Tasten, die am Master angebracht sind,
  • Verwendung von Konfigurationssoftware oder
  • Verwendung eines Adressiergeräts.
Die am häufigsten eingesetzte Variante ist das Adressiergerät. Damit ist es möglich, die AS‑i‑Slaves vor dem Einbau auf die richtige Adresse zu programmieren. Über das Adressiergerät kann es jedoch passieren, dass eine Adresse mehrfach an einen AS‑i‑Strang vergeben werden, da sich die Adressiergeräte die vergebenen Adressen nicht merken.

AS-interface safety at work

In der Praxis tritt immer wieder die Frage auf, ob es nicht möglich sei, so genannte sicherheitsgerichtete Signale, wie z. B. NOT-AUS, über AS-i zu übertragen.
Sicherheitsgerichtet bedeutet: Die Komponenten ermöglichen durch Redundanz und Selbstüberwachung das Erkennen von Fehler und die Abschaltung gefahrbringender Bewegungen.
Mit AS-interface safety at work werden zusätzlich zu den Prozesssignalen sicherheitsgerichtete Eingangs- und Ausgangssignale über den Bus übertragen. Dies ersetzt die Verdrahtung mit Sicherheitsrelais bei einem Safety Integrity Level bis SIL 3.
Bis zu 31 sicherheitsgerichtete Eingangsmodule können je einen zweikanalig angeschlossenen NOT-AUS-Schalter (Abbildung 6), Türschalter oder berührungslos wirkende Schutzeinrichtung (BWS) erfassen. Ein Sicherheitsmonitor wertet deren Signale aus und steuert Sicherheitsausgänge an. Die Datenverarbeitung erfolgt durch zwei unabhängige Mikrocontroller, diese überwachen sich gegenseitig (Abbildung 7). Teilweise ist im Sicherheitsmonitor die Funktion des Busmasters integriert.

Ergänzung des AS‑i‑Protokolls

Pro AS-i-Slave stehen 4 Eingangsbits zur Verfügung. Für jeden der zwei Kanäle eines sicherheitsgerichteten Slaves werden zwei Bit verwendet. Der Slave nutzt eine Codefolge mit 8 aufeinander folgenden 4-Bit-Kombinationen. Bei der Inbetriebnahme lernt der Sicherheitsmonitor die Codefolgen der angeschlossenen sicherheitsgerichteten Slaves und speichert diese im Konfigurationsprotokoll. Falls Abweichungen von der Codefolge erkannt werden, wird ein sicherer Zustand hergestellt. Damit reagiert der Sicherheitsmonitor einerseits auf Übertragungsfehler des Feldbus, andererseits auf NOT-AUS, NOT-HALT, überwachte Schutztüren oder andere Schutzeinrichtungen. Der Ausgabebaustein wird spätestens nach 8 Übertragungen, nach höchstens 40 ms, abgeschaltet.

Freigabekreis

Ein Sicherheitsausgang ist in der Lage, die nachgeordneten Steuerungsteile sicher abzuschalten. Er bleibt nur bei bestimmungsgemäßer Funktion aller Komponenten im Ein-Zustand. Jeder Ausgangskreis besteht aus zwei logisch zusammenhängenden Sicherheitsausgängen.
Die einem Ausgangskreis zugeordneten Komponenten und Funktionsbausteine werden als Freigabekreis bezeichnet. Zur Konfiguration eines Freigabekreises gehören Überwachungsbausteine, deren Signale logisch UND-verknüpft werden (z. B. NOT-AUS-Schalter, Türschalter, BWS). Wenn zugleich alle Überwachungsbausteine, der Rückführkreisbaustein und der Startbaustein aktiviert sind, wird der Ausgabebaustein aktiviert.
Abb. 6: Sicherer Eingangs-Slave mit NOT-AUS-Schalter
Quelle: Europa-Lehrmittel
Abb. 7: Struktur und Aufbau eines Sicherheitsmonitors
Quelle: Europa-Lehrmittel